Europäische Fliegen ohne Augen


Das Ufer des Flusses Maros bietet Lebensraum für eine sehr seltene und ziemlich bizarr aussehende Fliegenart. Im Oktober 1996 entdeckte der Biologe Péter Paulovics aus Szeged in der Nähe der Mündung der Tisza in die Maros – unterhalb von Deszk – diesen bis dahin unbekannten Insekten. Die neue Art aus der Familie der Nyelesszemű legyek (Diopsidae) wurde 1997 beschrieben (Papp L., Földvári M. Paulovics P.: Sphyrocephala europaea sp. n. (Diptera: Diopsidae) from Hungary represents a family new to Europe) und erhielt den Namen Europäische Fliegenfliege (Sphyrocephala europaea). Diese kleine Fliege, die kaum größer als eine Mücke ist, gilt als echte Entomologie-Rarität, da sie der einzige Vertreter der Familie der Fliegen ohne Augen in der gemäßigten Klimazone ist. Ihre verwandten Arten leben ausnahmslos in tropischen Gebieten.

Ihren Namen verdankt sie der Lage ihrer Augen, denn die beiden zusammengesetzten Augen sitzen senkrecht zur Körperachse auf den Augenflügeln, was dem Tier ein einzigartiges Aussehen verleiht. Über ihre Lebensweise ist nur wenig bekannt. Die ausgewachsenen Fliegen sind im Herbst entlang des Maros anzutreffen, den Winter verbringen sie in kleinen, in den Boden gegrabenen Höhlen in der Form von Larven, im Frühjahr kann man dann die überwinterten Exemplare beobachten. Im Sommer fliegen bereits die Individuen der neuen Generation an den Lehmwänden entlang der Ufer. Die Begegnung mit diesen winzigen, kaum 4 mm großen Fliegen ist ein echtes Erlebnis, denn schon ihr Auffinden ist eine echte Herausforderung.

Quelle http://www.kmnp.hu Tibor Danyik, ökologischer Inspektor
Interessante faunistische Daten über die Maros und ihr Flussgebiet
Péter Paulovics, Ferenc Kiss, Naturschutzverein des Komitats Csongrád, Szeged, 1999-2002